Überblick: Welche Kamin- und Ofenarten gibt es?

15.10.2020

Ein klassischer Holzofen, Kamin- oder Schwedenofen bietet ein unvergleichliches Wohlfühlerlebnis im Wohnbereich. Das gemütlich lodernde Flammenspiel, die angenehme Strahlungswärme und die wohlige Atmosphäre sind auch heute noch die Hauptgründe, warum viele Hausbesitzer sich für einen Kaminofen entscheiden. 

Gleichzeitig ist aber spätestens mit der Energiewende klar geworden, dass ein Kaminofen auch die ökologisch und ökonomisch richtige Entscheidung ist. Holz hat als nachwachsender Rohstoff eine neutrale CO2 Bilanz. 

Da unsere Welt und mit ihr das Produktangebot jedoch zunehmend komplexer werden, ist es wichtig, bei einer derart langfristigen „Beziehung“, die richtige Wahl zu treffen. Ihr neuer Kaminofen wird für viele Jahre in Ihrem Wohnzimmer stehen. Daher lohnt es, sich vor der Entscheidung für ein bestimmtes Modell Entscheidung, über die unterschiedlichen Ofentypen zu informieren.

Welche Kaminofentypen gibt es? Was sind die Unterschiede?

In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Ofentypen es gibt und worin diese sich unterscheiden. Das wären zunächst: 

  • Raumluftunabhängige Kaminöfen
  • Raumluftabhängige Kamínöfen
  • Wassergeführte Kaminöfen
  • Speicheröfen
  • Kaminbausätze

Ausschlaggebend für ein raumluftunabhängiges oder raumluftabhängiges Modell, einen wassergeführten Kamin oder einen Kaminbausatz sind in erster Linie die bauseitigen Voraussetzungen sowie die Wünsche der zukünftigen Besitzer.

Für die Wärmeerzeugung im Kaminofen entscheidend: Woher kommt die Luft?

Das Thema: Warum brennt eine Kerze oder welche Bedingungen müssen für eine Verbrennung gegeben sein, wird bereits im Kindergarten, später in der Grund- und den weiterführenden Schulen behandelt. Übertragen auf den Kaminofen geht es um die Zufuhr von Luft bzw. Sauerstoff.

1. Raumluftunabhängige Kaminöfen

Begonnen hat es wohl bereits mit der Ölkrise 1973 und der daraus resultierenden Vervielfachung des Ölpreises. Den Menschen in Deutschland und Westeuropa wurde auf drastische Art und Weise bewusst, dass Strom und Heizenergie nicht im Überfluss vorhanden sind und der Energieverbrauch dringend gesenkt werden muss. 

Der Atomausstieg und die immer deutlich werdenden Folgen des Klimawandels führten dazu, dass sich Besitzer von Bestandsimmobilien mit der Dämmung von Fassade und Dach und jeder Bauherr mit Begriffen wie Energiesparhaus, KfW-Effizienzhaus, Passivhaus oder Niedrigenergiehaus befasst. 

ORANIER Kaminofen Polar W+2.0

Dieser ORANIER Kaminofen  passt sich mit seinem Design in alle Umgebungen ein. 

Damit möglichst wenig oder keine Energie verschwendet wird, müssen die Hüllen dieser Gebäude also absolut dicht sein, die Luftzirkulation erfolgt häufig über kontrollierte Lüftungsanlagen. Im Umkehrschluss bedeutet dies aber: Für den Betrieb eines Kaminofens fehlt in diesen sanierten oder modernen Häusern die Luft von außen. Um zu verhindern, dass ein Unterdruck entsteht und die Rauchgase dadurch wieder zurück in den Raum gelangen können, dürfen ausschließlich Modelle mit externem Verbrennungsluftanschluss (Außenluftanschluss / separatem Zuluftrohr) sowie einer absolut dicht schließenden Ofentür zum Einsatz kommen.

Auf der anderen Seite ist bei einer solchen Feuerstätte selbstverständlich eine größtmögliche Effizienz gefragt. Das heißt, warme Luft soll, im wahrsten Sinn des Wortes, nicht „zum Schornstein hinaus geblasen werden“. Daher ist der Zuluftanschluß bei den Produkten des österreichischen Traditionsunternehmens Haas + Sohn beispielsweise verschließbar, wenn nicht geheizt wird. Zur Sicherheit der Bewohner besitzen diese Kaminöfen, je nach Modell eine zwei- oder sogar dreifach verriegelte Tür. Besonders komfortabel ist ein gedämpfte Türeinzug, welcher die Feuerraumtür selbstständig schließt und verriegelt.

2. Raumluftabhängige Kaminöfen

JUSTUS Kaminofen, Kaskade 2.0 Corretto, Korpus Stahl Gussgrau

Der Kaminofen von JUSTUS verfügt über einige praktische Features, unter anderem ein Ergonomischer Griff und eine Mehrfachverriegelung

Bei dieser Art Kaminöfen nützt man den Sauerstoff des Aufstellraumes zur Verbrennung. Die Anforderungen, welche am geplanten Aufstellort gegeben sein müssen, um einen Ofen mit einer bestimmten Nennleistung betreiben zu können, finden Sie im § 3 der MFeuV (Muster-Feuerungsverordnung. Die Steuerung der optimalen Luftzufuhr für einen sauberen und effizienten Abbrand wird manuell über Klappen oder Schieber geregelt. 

Skizze: ORANIER luftabhängige Öfen

Hier wird gezeigt wie das Prinzip eines Luftabhängigen Kaminofens funktioniert

Wichtig beim Heizen mit dem Kamin: Primär-, Sekundär- und Tertiärluft

Ihr Ofen benötigt für eine optimale Verbrennung  in den verschiedenen Heizphasen die jeweils passenden Menge an Luft. Die Einströmrichtung des Luftstrahls spielt ebenso eine wichtige Rolle.

Diese werden über (je nach Ofenmodell und Hersteller) verschiedene Mechanismen geregelt. Man unterscheidet zwischen Primär-, Sekundär- und Tertiärluft, wobei nicht jedes Gerät zwangsläufig über alle drei Luftströme verfügt.

  • Die Primärluft ist für das Entzünden des Brennmaterials ausschlaggebend, dafür ist kühle, sauerstoffreiche Luft am besten geeignet. Diese wird von unten (Unterluft), in der Regel über den Aschekasten und den Rüttelrost, angesaugt.  

  • Für den eigentlichen Verbrennungsvorgang (Vollbrandphase) ist die Sekundärluft verantwortlich (Schieber für Primärluft-Zufuhr geschlossen). Sie wird vorgewärmt von oben (Oberluft) in den Brennraum geleitet. Viele Hersteller führen sie an der Scheibeninnenseite entlang, um diese zu erwärmen, vor allem aber um zu verhindern, dass sich Rußpartikel darauf absetzen – das Prinzip der Scheibenspülung.  

  • Die Tertiärluft wird häufig über Öffnungen auf der Ofenrückseite in den Feuerraum geleitet, es handelt sich daher ebenfalls um sauerstoffreiche, aber warme Frischluft. Ziel ist es, den Abbrand weiter dahingehend zu optimieren, dass der Feinstaubanteil reduziert wird. Moderne Kaminöfen liegen daher in der Regel (weit) unter dem vom BImSchV geforderten Grenzwerte und benötigen keinen zusätzlichen Feinstaubfilter.  

3. Wassergeführte Kaminöfen

Deposit Bild Feuer&Wasser

Der entscheidende Vorteil eines wasserführenden Kaminofens ist, dass mit der zur Verfügung gestellten Wärmeenergie nicht nur der Aufstellraum beheizt wird, sondern das gesamte Objekt, da er mit dem Heizkreislauf der Zentralheizung verbunden wird. Das Kernstück eines solchen Ofens ist ein integrierter Wärmewassertauscher, auch Wärmeüberträger oder Wassertasche genannt, sowie ein Pufferspeicher. Je nach Modell landen hier bis zu zwei Drittel der Leistung, da nur circa ein Drittel an den Aufstellraum abgegeben wird.

Tipp: Eine solche Feuerstätte ist optimal dazu geeignet, die Zentralheizung zu unterstützen, als einzige Heizquelle muss sie die, vor allem hinsichtlich der Abgaswerte, sehr viel strengeren Vorschriften des BImSchV erfüllen. Aufgrund der größeren Zahl an Komponenten, ist außerdem der Installationsaufwand sowie der Platzbedarf einer solchen Anlag deutlich größer.

4. Speicheröfen

HAAS SOHN Kaminofen Hasvik

Dieses Produkt vom Traditionsunternehmen HAAS+SOHN verspricht langanhaltende Wärme und einen geringen Brennstoffverbrauch durch seine Kohle-Dauerbrand Ausstattung

Eine weitere, vergleichsweise einfache Möglichkeit, die Effizienz eines Kaminofen signifikant zu steigern, ist, ein Modell mit Speicherblock zu wählen. Er wird in der Regel direkt oberhalb des Brennraums angebracht, optisch ist der Unterschied nicht zu erkennen. Die bei der Verbrennung entstandene und gespeicherte Energie wird dann kontinuierlich, in Form von angenehmer Strahlungswärme an den Aufstellraum abgegeben. Und zwar selbst dann noch, wenn das Feuer im Ofen schon längst erloschen ist. Ausschlaggebend für die Qualität des Speichermaterials ist dessen Rohdichte, die Masse sowie das spezifische Gewicht.

Häufig kommen Specksteine oder Schamottsteine zum Einsatz, das Traditionsunternehmen Haas + Sohn setzt auf Magnesitstein. Je nach Hersteller, Modell und Größe des Kaminofens kann ein solcher Wärmeblock, der zwischen 45 und 180 kg wiegt, auch nachgerüstet werden.

Skizze: HAAS+SOHN Wärmespeicherblock

Wie ein Wärmespeicherblock funktioniert, sehen Sie hier

5. Kaminbausatz

HAAS+SOHN Kaminbausatz Genf

Mit seinen naturbelassenen Holzbalken erzeugt dieser Kaminbausatz eine wohlige, einladende Atmosphäre. 

HAAS+SOHN Kaminbausatz Arlberg

Dieser hochwertig designte Kaminbausatz ist mit der "Clean Technologie" ausgestattet. Diese bedeutet weniger Ruß und damit weniger Pflegeaufwand. 

HAAS+SOHN Kaminbausatz Pinus

Dieser Kamin-Einsatz verwandelt den Kaminofen in ein modernes Gestaltungselement.

„Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt“ – dieser Liedtext von Pippi Langstrumpf passt in abgespeckter Version auch für einen Kaminofen. Dann nämlich, wenn man(n) oder Frau sich für einen Bausatz entscheidet. Wie früher beim klassischen Kachelofen ist bei diesen Produkten Individualität angesagt.

Ob stilvoll oder hochmodernes Design, ob mit raffiniertem Holzlagerfach oder als platzsparende Ecklösung, nahezu alles ist möglich. Nicht umsonst wird der Kaminbausatz häufig auch als Architekturkamin bezeichnet. Da die Betonelemente der Verkleidung unbehandelt ausgeliefert werden, kann die farbliche Gestaltung harmonisch auf das übrige Interieur abgestimmt werden. Putz oder keramische Akzente sind natürlich ebenfalls denkbar. Selbstverständlich verbirgt sich im Inneren ein vollwertiger und hoch effizienter Ofen.

Egal, für welche Variante Sie sich letztendlich entscheiden, Sie, Ihre Familie sowie Ihre Gäste werden das einzigartige Flair und diese wundervolle Gemütlichkeit zu schätzen wissen. Höchstwahrscheinlich werden Sie es lediglich bereuen, dass Sie nicht schon viel, viel früher „Ja“ zu diesem „Wohnbegleiter“ gesagt haben.