Der Herbst – beste Pflanzzeit für (Obst-)Bäume & Co.

04.11.2020

Für zahlreiche Gartenliebhaber sind die Herbstmonate die schönste Zeit. Jetzt wird nicht nur Vieles geerntet, was man(n) oder Frau das ganze Jahr über gepflanzt, gegossen, gehegt und gepflegt hat, jetzt wird auch wieder gestaltet. September bis November sind die klassischen Pflanzmonate. Jetzt werden die wichtigsten Strukturen und die Optik des Gartens für die kommenden Jahre festgelegt und natürlich was, wann geerntet werden kann.

Beste Pflanzzeit - Herbst oder Frühjahr?

Wer eventuell bereits im kommenden Jahr knackig frische Äpfel vom eigenen Baum ernten möchte, der sollte jetzt zum Spaten greifen und Apfel-, Birnen-, Zwetschgen oder Kirschbäume pflanzen.

Gleiches gilt für Beerensträucher wie Himbeere, Blaubeere, Johannisbeere oder Stachelbeere. Für frostunempfindliche Hecken und Gehölze, welche mit ihrer tollen Blattfärbung den Garten bereits im nächsten Herbst in ein atemberaubendes Farbenmeer verwandeln, ist nun ebenfalls die ideale Pflanzzeit. Im Oktober, bedingt durch den Klimawandel eventuell noch im November, gehören auch Stauden und zweijährige Blumen in den Boden. Nicht zu vergessen, die Königin der Blumen, die Rose, sowie winterharte, frühjahrs- und sommerblühende Zwiebeln und Pflanzen.

Prächtige Rosen - optimale Pflanzzeit zwischen September und November

Die Frage nach dem optimalen Zeitraum um zu pflanzen, beschäftigt Jahr für Jahr zahlreiche Hobbygärtner. 

Vom goldenen Oktober mit trockenem, mild-sonnigem Wetter profitieren oder die eine oder andere Schlammschlacht bei Schmuddelwetter schlagen, wenn schon am Nachmittag die Dämmerung einsetzt? 

Wenn die Bäume ihr Laub abwerfen und das oberirdische Wachstum ganz oder teilweise einstellen, ist im Garten tatsächlich noch Action angesagt.

Der Garten-Experte empfiehlt: Nützen Sie zum Pflanzen die Vegetationsruhe von (Obst-)Bäumen & Co. Diese erstreckt sich in unseren Breiten ganz grob von Anfang September bis Anfang Mai, Frostperioden natürlich ausgenommen. Die Herbstmonate sind optimal geeignet, da die Pflanzen sowohl von der Restwärme im Boden, wie der Feuchtigkeit des Winterhalbjahres profitieren. Die Erde wird gut durchwurzeln, sodass sie einen unübersehbaren Wachstumsvorsprung gegenüber Frühjahrspflanzungen haben. Weniger frostharte Bäume und Sträucher sollten erst im Frühjahr gepflanzt werden.

Ein Blick hinter die Kulissen von Baumschulen gibt Aufschluss darüber, warum viele Bäume, Sträucher, Obst- oder Ziergehölze einschließlich Rosen zwischen September und November gepflanzt werden sollten. Um vor Wetterkapriolen wie Herbststürmen oder von Dauerregen aufgeweichten oder gefrorenen Böden sicher zu sein, roden die Betriebe im Herbst große Teile ihrer Flächen. Gemeint ist dabei natürlich nicht das Abholzen, sondern das Auspflanzen der Verkaufsware, welche dann in Kühlhäusern oder dem sogenannten Einschlag gelagert wird.

Daher kann der Gartenfreund in diesem Zeitraum einerseits aus dem größten Angebot wählen, andererseits bekommt er frische Ware.

Es gibt jedoch Einschränkungen: Aus Stabilitätsgründen empfiehlt es sich, größere Bäume mit größerer Windangriffsfläche erst im Frühjahr zu pflanzen. Denn neu gepflanzte Bäume benötigen zwei bis drei Jahre bis sie fest im Boden verwurzelt sind. Eine Baumstütze, bestehend aus einem, zwei (an besonders windigen Standorten oder bei Bäumen über vier Metern) und sogar drei Pfählen bei besonders großen Exemplaren, ist nicht nur bei flach wurzelnden Gehölzen, sondern generell ratsam. Überdies besteht bei starken Temperaturunterschieden zwischen der sonnenzugewandten und der -abgewandten Seite die Gefahr, dass die empfindliche Baumrinde reißt.

Wurzelnackt oder Ballenware?

Ein weiteres, wichtiges Kriterium für den richtigen Pflanzzeitpunkt ist die „Verpackung der Wurzeln“. Sprich: Handelt es sich um wurzelnackte Gehölze oder Gehölze, deren Wurzelballen mit der Erde ausgestochen wurde und anschließend in Ballenleinen oder Drahtgeflecht beziehungsweise in Plastikcontainern oder -töpfen angeboten werden?

Beim Ausgraben verlieren die Pflanzen unweigerlich einen Teil ihres Wurzelwerks, vor allem die Feinwurzeln, über sie erfolgt jedoch in erster Linie die Wasser- und Nährstoffaufnahme. Daher ist der späteste Pflanztermin für wurzelnackte Ware Ende März oder Anfang April, für Ware mit Erdballen Ende April bis Anfang Mai. Container- oder Topfware kann das ganze Jahr über gepflanzt werden.

Tipp: Wurzelnackte Pflanzen sind sehr einfach im Handling (leicht, auch in größerer Stückzahl unproblematisch zu transportieren). Sie sind in der Regel preiswerter, allerdings ist auch ihre Ausfallquote höher als bei Ballen- oder Containerpflanzen. Durch ihre freiliegenden Wurzeln sind sie sehr anfällig was Zugluft, Frost, vor allem aber Austrocknung angeht. Daher bitte umgehend nach dem Kauf auspflanzen. Um die Pflanze anzuregen, viele, neue, Feinwurzeln auszubilden, vorher mit einer scharfen Gartenschere die Hauptwurzeln um circa ein Drittel einkürzen.

Außerdem regelmäßig kräftig gießen, je nach Witterung auch über einen längeren Zeitraum!

Frostempfindliche sowie immergrüne Pflanzen

Frostempfindliche Obstbäume, mediterrane Pflanzen, immergrüne sowie sommergrüne Laubgehölze bevorzugen eine Frühjahrspflanzung. Dann haben Aprikose, Feige oder Pfirsich, Rot- oder Hainbuche, Buchsbaum, Kirschlorbeer oder Rhododendron, Hibiskus, Hortensie oder wintergrüne Magnolie sowie die Eibe als Nadelgehölz, eine ganze Gartensaison lang Zeit, genügend Wurzeln zu bilden. Voraussetzung auch hier: Regelmäßiges, kräftiges Gießen, während Trockenperioden unbedingt morgens und abends. Außerdem ist eine Mulchschicht sehr hilfreich.

Einpflanzen

Für eine erfolgreiche Neupflanzung gilt es unbedingt ein paar Dinge zu beachten:

  • Das Erdreich, insbesondere der Grund des Pflanzlochs, zuvor gut mit einer Grabegabel, einem Spaten oder Grubber locken. Einerseits gilt es Staunässe zu verhindern, andererseits können sich die zarten Wurzeln dann wesentlich besser entwickeln.
  • Ein ausreichend großes Pflanzloch ausheben, als Faustregel gilt: Es sollte etwa doppelt so breit und doppelt so tief wie der Pflanzballen sein.
  • Den Pflanzaushub mit reifem Kompost (Verhältnis 1:1) als Startdünger anreichern.
  • Achten Sie darauf, dass die Pflanze nicht zu tief sitzt, der Topfballen darf jedoch gleichfalls nicht über dem Niveau des umgebenden Gartenbodens liegen.
  • Gehölz gerade ausrichten und die lockere Erde drumherum vorsichtig festtreten, besser noch einschlämmen, damit alle Hohlräume geschlossen werden und sich die Erde eng um die Wurzeln legt. Gießrand anlegen nicht vergessen!
  • Wer keinen Kompost eingearbeitet hat, gibt nun noch Hornspäne als Langzeitdünger hinzu und bedeckt den Boden mit einer dicken Schicht Rindenmulch, um die Pflanzenwurzeln vor Austrocknung oder Frost zu schützen.
Familie erntet